Examensvorbereitung – ohne Rep durch Assessorexamen

Ohne Repetitor durch das Assessorexamen – Das geht doch gar nicht! So oder ähnlich formulieren Referendare oft Ihre Bedenken. Dabei würde ich sagen, dass auch ein Examen ohne Repetitor möglich ist. Es ist allerdings ein sehr hohes Maß an Disziplin und Motivation nötig.

Klausuren schreiben – Das A und O der Examensvorbereitung!

Neben der richtigen Literaturauswahl, auf welche ich für Hamburg schon eingegangen bin, sollte man unbedingt Klausuren schreiben. Das Problem dabei ist meiner Ansicht nach nicht unbedingt die Recherche nach Klausuren und Klausurlösungen für das zweite Staatsexamen, sondern vielmehr deren Korrektur. Es war mir beispielsweise nur sehr schwer möglich, mich selbst zu korrigieren. Neben der Selbsteinschätzung denke ich, dass eine hohe Gefahr kleiner Fehler besteht, die man selbst einfach so nicht sieht.

Meine Lösung bestand darin, dass ich schon sehr früh alle Klausuren in jedem kostenlosen Klausurenkurs geschrieben habe. Außerdem habe ich versucht in jeder AG (Arbeitsgemeinschaft) den AG-Leiter zu überreden, dass er eine oder zwei meiner “selbstgeschriebenen” Klausuren korrigiert, wenn ich ihm sowohl Sachverhalt als auch Lösungsskizze aushändigen würde. Fast alle haben das auch gemacht.

Notizen schreiben – Für die Klausur und der Besprechung danach!

Aufgefallen ist mir dabei, dass es am meisten Sinn gemacht, wenn die Besprechung einer Klausur unmittelbar im Anschluss an das Schreiben stattgefunden hat. Wenn das nicht der Fall war, dann habe ich nach jeder Klausur etwa 20 Minuten lang aufgeschrieben, welche Probleme ich bei der jeweiligen Klausur hatte. Mit diesen Notizen habe ich dann jede Klausurbesprechung besucht. Außerdem habe ich im Nachhinein jede Klausur noch einmal geschrieben. Dabei habe ich dann Absatz für Absatz mein eigenes Werk mit der Lösung verglichen. Dies führte dazu, dass es mir nach etwa 30 Klausuren möglich war, ganze Standardprobleme auswendig formulieren konnte. Bestimmte Wendungen habe ich sogar ganz bewusst auswendig gelernt, allerdings nur dann, wenn ich den Eindruck hatte, dass diese in mehr als 70% aller Klausuren vorkamen.

Die Klausuren selbst hatte ich auch aus vielen anderen Bundesländern. Dort habe ich bei ehemaligen Studienkollegen jeweils nachgefragt, ob wir die Klausuren mit Lösungen tauschen könnten. Dies ist auf großes Interesse getroffen. Insbesondere hat mir dabei das Netzwerk www.studienjahre.de geholfen. Dort sind sehr viele Speyer Studenten aus dem gesamten Bundesgebiet unterwegs. Das hat mir sehr geholfen. Auch die Materialien der Kurse dort sind häufig sehr gut. Insbesondere die Materialien aus dem ZPO und Zwangsvollstreckungsrecht, sowie zur strafrechtlichen Revision waren exzellent.

Lernen in der Kleingruppe

Nach Literatur und Klausuren steht für mich das Lernen in der Gruppe an Dritter stelle. Dies halte ich für unbedingt erforderlich, wobei meine Gruppe zu Beginn aus vier Mitgliedern bestand. Letztlich aber nur von zwei in der nötigen Konsequenz genutzt wurde. Das gemeinsame Lernen stand dabei weniger im Vordergrund als die Erarbeitung von Klausuren oder Aktenvorträgen. Außerdem haben wir uns regelmäßig kontrolliert. Es war eigentlich Standard sich jeden zweiten Tag über den aktuellen Lernstand zu informieren. Wir haben uns immer ausgetauscht, wie weit wir in welchem Lehrbuch stehen und welche Klausuren wir gerade erarbeitet hatten.

Repetitorenskripte

Ansonsten gebe ich zu, dass ich einige der Repetitorenskripte insbesondere von Kaiser aus Lübeck gekauft und durchgearbeitet habe. Im Vordergrund stand dabei aber mein Interesse, alle examensrelevanten Probleme zu erkennen und diese nicht zu vergessen.

Höchstrichterliche Rechtsprechung – Die beste Quelle für Urteilsübungen

Außerdem hatte ich mir ein RSS Feed angelegt, mit welchem ich ständig verschiedene höchstrichterliche Entscheidungen verfolgt habe. Dazu kamen verschiedene Links und Quellen, auf welchen immer wieder aktuelle examensrelevante Themen besprochen werden. Dazu werde ich in einem weiteren Post mit dem Titel examensrelevante Links für das zweite Staatsexamen eingehen. Teilweise habe ich auch nach der Lektüre eines Sachverhalts im BGH, OLG oder LG Urteil einfach mein eigenes Urteil geschrieben. Meine Vorgehensweise dazu war folgenden:

1. Lektüre des Urteils, aber nur: Rubrum, Tenor, Sachverhalt

Dadurch wusste ich zwar schon das Ergebnis, war also gezwungener Maßen schon sehr eingeschränkt in meiner Schreibe. Allerdings ist das dann im Weiteren von großem Vorteil.

2. Schreiben der Urteilsbegründung (Absatzweise)

In einem zweiten Schritt habe ich jeweils versucht meine eigene Urteilsbegründung zu schreiben. Diese habe ich dann immer sofort Absatzweise nachgelesen und ggf. korrigiert oder falls nötig sogar ganz neu geschrieben.

3. Einige Zeit später habe ich dann nur den Sachverhalt und die Begründung gelesen und daraus noch einmal das Rubrum und den Tenor geschrieben, um diesen dann mit dem Original abzugleichen.

Insgesamt kann ich dieses Vorgehen nur Empfehlen, denn es gibt inzwischen fast alle Urteile von Landgerichten und Oberlandesgerichten der einzelnen Bezirke im Volltext online. Logischer Weise hilft das aber auch nur für Urteile… in Anwaltsklausuren habe ich mich ganz auf die Übungsklausuren verlassen.

Hoffentlich hat Euch dieser Post geholfen. Feedback ? Gerne!!!!

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