Examenskandidatin im Interview – Examenstipps für das Referendariat

Liebe Referendare, liebe Examenskandidaten, liebe Kollegen,

neulich hat eine Bekannte Ihr 2. Staatsexamen mit beeindruckendem Ergebnis beendet. Aufgrund dessen, dass Ihr Abschneiden in den Klausuren für das 2. Examen überdurchschnittlich gut war, habe ich Sie kurz interviewt und will Euch die Ergebnisse nicht vor enthalten.

Sie meint, dass Ihre ”Klausurtips” vielleicht nicht die aller zielführensten seien, weil sie sehr wenig gearbeitet und noch weniger Klausuren geschrieben habe. Anstatt dessen wählte Sie lieber “interessante” Referendarsstationen. Das Examen lief also insgesamt nach der Mini-Max-Methode

Hier aber unsere Fragen zum zweiten Staatsexamen und Ihre Antworten:

Welche Literatur hälst Du für unverzichtbar? Welches Seminar? Welchen Dozenten? Was hast Du gemacht, um die aktuelle Rspr. Zu verfolgen? Zeitschriften? Online Videos?

Ich habe habe vier Monate vor dem Examen angefangen, Kaiser Seminare in Lübeck zu besuchen (Zivilrecht und Öff-Recht) und die dazu gehörigen Skripte

durchgearbeitet. Wenn man das Zeug tatsächlich alles kann, reicht das meiner Meinung nach. Zwischen einmal lesen und “richtig können” liegt allerdings die halbe Welt. V.a. die “materiellen” Skripten sind z.T. sehr knapp. Wenn man mit einem Satz nichts anfangen kann, muss man nacharbeiten… M.E. taugen die Skripten als check sehr gut. Für Respr. habe ich RÜ durchgeblättert und die Kaiser Rechtsprechungsübersichten überblicksmäßig angeschaut. Hat für meine Klausuren überhaupt nichts gebracht, beruhigt aber das Gewissen. Ich habe v.a. vor dem Mündlichen Legal Tribune gelesen und “nachgedacht” und ein Jahr lang den “beck-online Newsletter“, den ich sehr empfehlen kann.

Was waren für Dich die wichtigsten Internetquellen? Referendarrat?

Weitere Internetquellen als die oben genannten habe ich nicht benutzt, da m.E. nicht zuverlässig genug. Foren halte ich für Zeitverschwendung, da dort häufig nur panische Menschen schlechte Tipps verbreiten.

Empfiehlst Du einen Eintritt in den DAV weil man dann die Kommentare günstiger bekommt?

Ich habe das damals nicht erwogen. Meine Rechnung war, dass ich die Kommentare selbst kaufe und dann zeitnah wieder verkaufe, solange sie noch aktuell sind. Das hätte gut mit ca. 100 EUR Verlust (= Mietkosten) funktioniert, wenn ich nicht zu faul gewesen wäre, den Verkauf dann tatsächlich zu machen…

Die Prüfung selbst: was hast du gegessen? Um dich fitt zu halten? Wie hast Du die Zeit in den Klausuren eingeteilt? Gibt es einen Stift der besonders gut schreibt?

Ich habe für das 2. Staatsexamen und die Klausuren meinen alten und gutbewährten Füllfederhalter mit blauer Tinte benutzt, weil da meine Schrift dann auch in Eile noch gut aussieht und ich keinerlei Druck auf die Patrone zum Schreiben ausüben musste. Für die Klausuren habe ich VOLTAREN Schmerzgel mitgenommen und nach jeder Klausur kurze Handmassage mit der Salbe gemacht, um die Handschmerzen loszuwerden und Entzündungen vorzubeugen. Ich habe in den Klausuren kaum gegessen, aber immer einen Schokomüsliriegel und eine 0,2l Wasserflasche dabei gehabt. Ohropax Soft waren wichtig für mich. In den Klausuren habe ich Wert darauf gelegt, die Aufgabenstellung genau zu lesen und eine kurze Skizze zu machen. Ich habe von den acht Klausuren sechs “von hinten” zu Ende geschrieben, damit “das Ende” ordentlich war. Das hat gut funktioniert. Vor der mündlichen Prüfung habe ich einige Aktenvorträge im allg. Aktenvortragskurs geübt und dort die Prüfer wirklich mit Verbesserungsnachfragen belästigt (inhaltlicher und vortragstechnischer). Vor der mündlichen Prüfung habe ich meinem Vorsitzenden gesagt, dass ich ins VB will. Der Aktenvortrag im Zivilrecht war der beste Teil meiner Prüfung.

Gibt es Sachen oder Dinge, die Du für Blödsinn hälst? Beck Akademie? Kaiser? Hemmer? Sonstiges?

M.M. nach sollte man sich auf eine Vorbereitungsmethode konzentrieren und nicht versuchen, so viel wie möglich / alles zu lesen. Wenn man gut mit einem Skript arbeitet, dann reicht eine Methode aus. Einen wichtigen Tipp fand ich, die Klausuren, die man schreibt auch tatsächlich ordentlich nachzuarbeiten, auch wenn das Zeit kostet. V.a. da ich insgesamt nur ca. 20 Klausuren geschrieben habe. Ich habe allerdings für so ziemlich alle aktuellen Kaiserklausuren Lösungsskizzen gemacht und dann die “offiziellen” Lösungen gelesen und “nachgedacht”.

Welche Stationen empfiehlst Du? Tauchstation? Vollgas?

Ich habe nette Stationen gemacht und hatte eine sehr gemütliche Wahlstation. Jeder wie er will.

Jobeinstieg, schwierig? Warst du im Ausland? Speyer? 

Speyer geht, wenn man die Stationen “richtig” plant. Ich war in den Referendarstationen für das zweite Examen in Hamburg (HH), Berlin, München und in der Wahlstation in Neuseeland.

Wie hast Du Deinen Urlaub verteilt?

Ich habe in der Zivilstation 3 Wochen zeitgleich mit meinen Richter Urlaub genommen und zwei Wochen in der Wahlstation in Neuseeland. Die Wahlstation in Neuseeland war sowieso wie “Urlaub”…

Braucht man Relationen?

Ich habe ein paar Relationen in der Zivilstation gemacht; in der Klausur genügt es, m.E., wenn man sich “nur” die streitigen Punkte aufschreibt, da das meiste unstrittig ist. Also keine “echte” Relation nötig m.E.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

This entry was posted in Allgemeines, Ausbildung, Kaiser, Lübeck, Repetitorium, Speyer. Bookmark the permalink.

One Response to Examenskandidatin im Interview – Examenstipps für das Referendariat

  1. Markus Meier says:

    Ja, so ähnlich habe ich das auch erlebt. Oropax haben mir in der Prüfung sehr geholfen, denn ich habe mich immer von den Karotten / Gemüseknacken meiner Nachbarin gestört gefühlt.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>